Das Ego – Teil deiner Ganzheit? Christoph Fasching (14)
Da ich mich oftmals abgetrennt, bedroht und als ungenügend fühlte, habe ich mich intensiv mit kollektiven Glaubenssätzen und dem Menschsein beschäftigt. Auch das Ego trägt solche Trennungsprogrammierungen, die nach meiner Erfahrung sehr tief wirken können - gerade für uns hochsensible Frauen, die so fein spüren, wenn etwas innerlich nicht stimmig ist.
Lange Zeit wird uns – besonders im spirituellen Feld – vermittelt, dass das Ego überwunden oder aufgelöst werden müsse, um wirklich in Verbindung mit der eigenen Göttlichkeit zu sein. Und vielleicht kennst du diesen inneren Druck, „weiter“ sein zu wollen, lichtvoller, reiner, weniger menschlich in deinen Reaktionen. Doch genau hier beginnt oft eine subtile Selbstablehnung.
Das Ego ist nicht unser Feind. Es ist eine Struktur unseres Menschseins. Es ist der Anteil in uns, der Individualität ermöglicht, der uns durch die Dualität navigieren lässt und der gelernt hat, mit Trennung umzugehen. Während die Seele Einheit wahrnimmt, erlebt das Ego die Welt aus der Perspektive des Getrenntseins – und aus dieser Erfahrung heraus hat es Schutzmechanismen entwickelt.
Dabei ist nicht das Ego selbst das “Problem”. Vielmehr entstehen die Schwierigkeiten in unserem Leben dadurch, dass wir uns mit dem Ego identifizieren und nicht mehr spüren, dass wir mehr sind als das Ego, dass wir eine Seele haben, die die höhere Perspektive hat und Bewusstsein sind.
Wenn wir uns als getrennt erleben, entstehen weitere innere Programme wie: Ich bin nicht genug. Ich bin allein. Ich muss kämpfen. Diese Glaubenssätze wirken nicht nur im Denken, sondern sie prägen unser Selbstbild, unser Selbstgefühl und sogar unser Nervensystem. Muskelspannungen, Atemmuster, Stressreaktionen – all das sind gespeicherte Erfahrungen im Körper. Deshalb reicht es nicht, nur neue Gedanken zu formulieren. Wir dürfen spüren.
Gerade als hochsensible Frau nimmst du sehr fein wahr, wenn du gegen dein inneres Wissen lebst. Gefühle wie Angst, Traurigkeit oder Wut sind dabei keine Störung, sondern ein Kompass. Die Seele spricht über Gefühle. Sie zeigt dir, wo dein Handeln nicht im Einklang mit deinem wahren Wesen ist, wo du vielleicht Grenzen nicht gesetzt hast oder dein eigenes Spüren übergangen hast.
Integration bedeutet deshalb nicht, das Ego zu bekämpfen, sondern die alten Trennungsprogramme achtsam zu erkennen und neu auszurichten. Nicht mehr aus dem inneren Satz „Ich bin getrennt“ zu leben, sondern langsam ein neues inneres Fundament aufzubauen: Ich bin eingebunden. Ich darf sicher sein. Ich darf mein Selbstbild erhöhen und meine Selbstverbindung stärken.
Wenn diese neue Ausrichtung im Körper ankommt, verändert sich auch das Ego. Es muss nicht mehr ständig verteidigen, vergleichen oder kämpfen. Es wird weicher, durchlässiger, stabiler. Es wird zu einem Gefäß, durch das Liebe im Alltag wirken kann – nicht als Konzept, sondern als gelebtes Menschsein.
Für mich ist es befreiend, die eigene Göttlichkeit nicht gegen das Menschliche auszuspielen, sondern beides zu vereinen: Bewusstsein im Körper, Einheit in der Dualität, Wahrheit im Alltag.
In meinem neuen Video spreche ich genau darüber – über das Ego als Schutzstruktur, als Mangelstruktur und als Teil unserer Ganzheit.
Hier kannst du das Video anschauen:
Und vielleicht magst du beim Schauen einmal ganz bewusst in dein Selbstgefühl hineinspüren: Wo kämpfst du noch gegen dich selbst – und wo darf Integration beginnen?
Je mehr ich aufgehört habe, Teile von mir abzulehnen, desto stiller wurde es in mir. Nicht, weil keine Gefühle mehr da sind, sondern weil ich mich nicht mehr von ihnen trenne. Und genau dort beginnt für mich innere Freiheit.
Erstellt am 06.03.2026.
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